GELUNGENER AUFTAKT ZUR DGB-KAMPAGNE ZUR ALTERSICHERUNG IN LEIPZIG
Leipzig, 09. Februar 2009.
1.100 Menschen unter roten Schirmen machen zum Abschluss der Veranstaltung im Leipziger Congress-Centrum deutlich, was sie im Wahljahr 2009 von der Politik erwarten: „Rente muss zum Leben reichen“. Für viele der über tausend Gewerkschafterinnen und Gewerkschafter aus Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen ist Altersarmut kein Fremdwort. Selbst wenn sie nicht persönlich betroffen sind, dann kennen viele zumindest in der Nachbarschaft oder Verwandtschaft jemand, bei dem die Rente nicht zum Leben reicht. Außerdem machen sich viele der Älteren große Sorgen über die Rente ihrer Kinder, die häufig von Arbeitslosigkeit und schlecht bezahlten Jobs betroffen sind. Diese Befürchtung bestätigen auch alle aktuellen Prognosen: Wenn der Trend zu Billigjobs nicht gestoppt wird, die Langzeitarbeitslosigkeit unvermindert hoch bleibt und die massiven Rentenkürzungen voll durchschlagen, droht Deutschland künftig eine Welle von Altersarmut.
Mit seiner Kampagne „Rente muss zum Leben reichen“ will der DGB die Politik wachrütteln und zu Reformen für mehr Sicherheit im Alter bewegen. Die Regionalkonfenrenz in Leipzig war dazu ein erster Schritt.
„Keine der Parteien wird sich in diesem Superwahljahr an den Themen Rente und Altersarmut vorbei mogeln können“, sagte DGB-Vorstandsmitglied Annelie Buntenbach dabei unter dem Beifall der Gewerkschaftsmitglieder. Mit Blick auf den Crash auf den Finanzmärkten ergänzte sie: „Die gesetzlichen Rentenversicherung wurde über viele Jahre von Finanzlobbyisten schlecht geredet und als altertümlich gegeißelt - doch sie war, ist und bleibt eine sichere Bank“. Zu behaupten, das Roulette am Aktienmarkt sei sicherer als die Rentenversicherung, grenze an Volksverdummung, so Buntenbach weiter. Die Rentenkürzungen der vergangenen Jahre sowie die Verwerfungen auf dem Arbeitsmarkt führen jedoch dazu, dass die Rente immer weniger zum Leben reicht. Dabei ginge es auch und vor allem um die heute jüngeren Beschäftigten, denn gerade sie würden die Rentenkürzungen mit voller Wucht treffen.
Auch Ver.di Chef Frank Bsirske forderte einen Richtungswechsel in der Rentenpolitik. „Seit Jahren ist erkennbar, dass die Rente auch für Durchschnittsverdiener sinkt. Mittlerweile braucht ein Arbeitnehmer im Schnitt 37 Beitragsjahre um eine Rente auf Hartz-VI-Niveau zu erhalten“, sagte Bsirske. Und brachte es mit dem Satz auf den Punkt: „Auf Arbeitsarmut folgt Altersarmut“. Deshalb sei ein bundesweit einheitlicher Mindestlohn von 7,50 pro Stunde notwendig, erneuerte Bsirske die Forderung der Gewerkschaften.
Eindrücklich schilderten auch Kolleginnen und Kollegen aus verschiedensten Branchen ihre Sorgen und Probleme mit der Alterssicherung. Auch dabei wurde mehr als deutlich, dass es zwar keine Alternative zur Gesetzlichen Rentenversicherung gibt, jedoch dringend Reformen nötig sind. Konkret forderten die Gewerkschafterinnen und Gewerkschafter die Rücknahme der Rente mit 67, eine Aufwertung der Rentenansprüche von Geringverdienern und Langzeitarbeitslosen sowie einen besseren Schutz für diejenigen, die aus gesundheitlichen Gründen vom Arbeitsmarkt gedrängt werden.
Die Veranstaltung in Leipzig war der Beginn für eine Reihe von Regionalkonferenzen des DGB zur Rentenpolitik im Superwahljahr 2009.
Rede von Frau Annelie Buntenbach:
PDF: 090209_Buntenbach_Leipzig_Rente_Form.pdf
Sehen Sie auch den Beitrag in der Tagesschau:
http://www.tagesschau.de/multimedia/sendung/ts10250.html
Sehen Sie auch den Beitrag im MDR:
http://www.mdr.de/mdr-aktuell/6118220.html