RENTE MIT 65 FÜR GLOS
– und von Guttenberg wird jüngster Wirtschaftsminister aller Zeiten
Am Wochenende hat Michael Glos darum gebeten, aufhören zu dürfen. „Da ich in diesem Jahr mein 65. Lebensjahr vollende, entspricht es meiner Lebensplanung, nach dem 28. September keinem Kabinett mehr anzugehören“, schrieb Glos an seinen Parteivorsitzenden und Partei-„Freund“ Horst Seehofer. Das, was Michael Glos sich selber gönnt – nämlich den Ruhestand mit 65 –, das gönnt er anderen noch lange nicht: Vor zwei Jahren beispielsweise meinte er im „Spiegel“, die Rente mit 67 sei zwar ein wichtiger Schritt zur Stabilisierung der Sozialsysteme gewesen, und ergänzte: „Ich bin mir allerdings nicht sicher, ob wir da nicht noch einmal nachlegen müssen.“ Falls nötig, müsse dies gemacht werden. Und später war er dann einer der vehementesten Gegner des Vorschlags, das Arbeitslosengeld für ältere Versicherte auf 24 Monate zu verlängern.
Michael Glos wird wegen seines Rücktritts sechs Monate vor Ende der Amtsperiode keine nennenswerten finanziellen Nachteile haben – anders als diejenigen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, die vor Vollendung des 67. Lebensjahres in Rente gehen müssen. Der bisherige Wirtschaftsminister fühlte sich von seinem Parteivorsitzenden Seehofer gemobbt und von seiner Chefin, Kanzlerin Merkel, nicht genügend geliebt. Im Vergleich zu 64jährigen Krankenschwestern, Bauarbeitern, Kfz-Mechanikern, Verkäuferinnen – oder Polizisten! – erscheinen aber die Arbeitsbedingungen eines Ministers mit Dienstwagen und Fahrer und persönlichen Referenten nicht unmäßig hart.
Die CSU verhält sich im Übrigen nicht anders als die meisten anderen Arbeitgeber: Der „alte“ Glos wird aus seinem Amt verdrängt und ein 37Jähriger kriegt einen befristeten Vertrag über ein halbes Jahr. Christlich-sozial eben.“