Altersarmut: Umsteuern nötig
Die ausreichende Absicherung der Menschen, auch fürs Alter, ist eine zentrale Errungenschaft des Sozialstaates, die nicht in Frage gestellt werden darf. Leider scheinen viele Politiker diesen Grundkonsens nicht mehr zu teilen. Denn die Politik hat die Rentenleistungen in den letzten Jahren um bis zu 25% gekürzt. Dazu müssen immer mehr Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer von Billigjobs ohne Altersabsicherung leben. Minijobber, Langzeitarbeitslose und Erwerbsgeminderte können kaum noch fürs Alter vorsorgen, und die Rente mit 67 verursacht für die meisten zusätzliche Rentenkürzungen. Deshalb droht uns künftig ein Problem, dessen Ausmaß schon heute absehbar ist: Wenn die Politik nicht umsteuert, droht uns massenhafte Altersarmut.
So warnen die Autoren der Studie „Altersvorsorge in Deutschland 2005“ davor, dass die Alterssicherung in Zukunft für einen wachsenden Teil der Bevölkerung zu einem existenziellen Problem werde. Tatsächlich ist fast jeder dritte von Altersarmut bedroht. Nach den Berechnungen dieser Untersuchung könnte im Jahr 2025 die Rente bei den Männern bereits zu 29% (Ost) bzw. 13% (West) zwischen 400 und 699 Euro liegen, bei den Frauen sogar zu 44% (Ost) bzw. 39% (West).
Die Anzeichen dieser Entwicklung sind bereits deutlich sichtbar. In den ersten drei Jahren nach der Einführung von Hartz IV ist die Zahl der älteren Hilfebedürftigen um 22,7% gestiegen und lag Ende 2007 bereits bei 1,2 Millionen. Die staatlichen Transferleistungen bei der Grundsicherung im Alter sind allein 2007 um 12,7% auf 3,5 Milliarden Euro angewachsen.
Die Medien haben sich des Themas Altersarmut inzwischen angenommen – die Politik leider nicht. Da wird so getan, als existiere das Problem gar nicht. Wenn die Politik aber dieses Zukunftsproblem einfach nur aussitzt, nimmt sie Altersarmut sehenden Auges in Kauf – eine Vorgehensweise, die mit verantwortungsbewusster Sozialpolitik nichts zu tun hat. Wer die Altersarmut der Zukunft vermeiden will – und das ist machbar und notwendig –, der muss heute handeln.