DGB
DIE KAMPAGNERENTE MIT 67 STOPPENWAS WIR STATT DER RENTE MIT 67 WIRKLICH BRAUCHEN
Was wir statt der Rente mit 67 wirklich brauchen

Das Renteneintrittsalter willkürlich zu erhöhen, ohne den Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern tatsächlich die Chance auf ein längeres Arbeitsleben zu eröffnen, ist der falsche Weg. Denn so steigt nur das Risiko, vor der Rente arbeitslos und damit zum Hartz IV-Fall zu werden oder aus gesundheitlichen Gründen die (unzureichende) Erwerbsminderungsrente in Anspruch nehmen zu müssen, so werden die sozialen Spannungen verschärft, so wird der Weg in die Altersarmut geebnet.

Aus beschäftigungs- und sozialpolitischer Perspektive ist stattdessen ein Bündel von Maßnahmen notwendig, das vor allem zwei zentralen Zielen dienen sollte:

  1. Die Weiterbeschäftigungs- bzw. Neueinstellungschancen für ältere Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer müssen nachhaltig erhöht werden. Zu diesem Zweck ist es erforderlich, die Arbeitsbedingungen zu verbessern und die Betriebe zur Intensivierung ihrer Arbeitsschutz- und Sicherheitsvorkehrungen zu veranlassen. Betriebliche Gesundheitsförderung und Gesundheitsprävention darf nicht länger nur eine Floskel sein. Außerdem muss die betriebliche Weiterbildungsförderung auf alle Altersgruppen und auf geringer Qualifizierte ausgedehnt werden. Arbeitsorganisation und Arbeitszeiten sind stärker alter(n)sgerecht auszugestalten. Zahlreiche Einzelmaßnahmen sind in all diesen Bereichen denkbar, das Verbesserungspotenzial ist bislang nicht einmal annähernd ausgeschöpft.

  2. Es müssen verschiedene Wege eröffnet werden, wie ältere Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer abgesichert vom Erwerbsleben in die Rente übergehen können. Auch jene, die – trotz der oben genannten Maßnahmen – nicht oder zumindest nicht voll bis zum Rentenalter erwerbstätig sein können, sind vor der Gefahr der Altersarmut zu schützen. Für sie müssen abgesicherte gleitende Übergänge bereitgestellt werden. Dazu zählen etwa die Fortsetzung der von der Bundesagentur für Arbeit geförderten Altersteilzeit und bessere Zugänge zur Erwerbsminderungsrente ohne Abschläge. Und bei der Gestaltung dieser Übergänge sollten die Arbeitgeber stärker als bisher in die finanzielle Verantwortung genommen werden.


Dies ist sicherlich kein leichter und bequemer Weg. Viel Detailarbeit ist notwendig, viel Überzeugungsarbeit in den Betrieben. Am Ende aber ist es die einzig richtige Strategie, den Herausforderungen zu begegnen, die der demographische Wandel und die Probleme auf dem Arbeitsmarkt uns stellen. Es geht darum, verantwortungsbewusst und weitsichtig zu handeln, die konkrete Lebenssituation der Menschen im Blick zu haben und nicht – wie bei der Rente mit 67 geschehen – nur auf die kurzfristigen Finanzierungsprobleme der Rentenversicherung zu schielen.