Bis 67 arbeiten? Erst mal können!
Die Befürworter der Rente mit 67 sind nicht ehrlich. Sie verkaufen ihre Reform als vermeintlichen Meilenstein auf dem Weg zu einer zukunftsfähigen Gesellschaft. Dabei verschweigen sie jedoch ganz bewusst, dass die überwiegende Mehrzahl der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer in unserem Land nicht einmal die Chance hat, bis zum derzeitigen Rentenalter von 65 zu arbeiten. Die Rente mit 67 bedeutet eben nicht, dass die Beschäftigten auch so lange arbeiten, sondern nur, dass sie erhebliche Rentenabschläge in Kauf nehmen müssen, weil die meisten frühzeitig aus dem Arbeitsleben gedrängt werden.
Werfen wir einen Blick auf die Fakten. Von den über 55-Jährigen geht derzeit nur noch etwa die Hälfte einer regulären Beschäftigung nach. Die übrigen können entweder nicht mehr, weil ihre Gesundheit es nicht zulässt, oder werden arbeitslos und finden keine neue Anstellung mehr. Zwar ist die Beschäftigungsquote in dieser Altersgruppe in den letzten Jahren gestiegen. Aber dieser vermeintliche Erfolg ist zum einen zumindest teilweise eine Folge der demographischen Entwicklung und beruht zum anderen überwiegend auf prekären Beschäftigungsverhältnissen wie Leiharbeit oder Ein-Euro-Jobs, die zu wenig oder gar nicht fürs Alter absichern. In der sich abzeichnenden Rezession im Gefolge der Finanzmarktkrise werden es gerade diese Jobs sein, die als erste wieder verschwinden.
In die reguläre Altersrente mit 65 schafft es heute gerade noch jeder Fünfte der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer. In einzelnen, besonders belastenden Branchen sind es sogar deutlich weniger, so etwa im Baugewerbe lediglich 10%. Noch viel niedriger liegt demzufolge der Anteil derjenigen, die über die bisherige Altersgrenze von 65 hinaus tätig sein könnten. Hier wird der ganze Widersinn der Rente mit 67 deutlich.
Für die große Mehrzahl derjenigen, die früher aus dem Erwerbsleben ausscheiden, bedeutet die Neuregelung nichts anderes als eine empfindliche Verschlechterung ihrer wirtschaftlichen und sozialen Situation. Viele werden kurz vor der Rente noch arbeitslos und damit gegebenenfalls zum „Hartz IV-Fall“. Auch ihre mühsam zusammengehaltenen Ersparnisse sind dann oft verloren, weil sie zum großen Teil auf das Arbeitslosengeld II angerechnet werden. Die Rente selbst wird für viele mit deutlich höheren Abschlägen als bisher verbunden sein. Als Folge rutschen immer mehr ältere Mitbürger in die Altersarmut. Die Rente mit 67 bringt den Menschen also keinerlei Nutzen, sondern richtet im Gegenteil immensen Schaden an.