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WEITERE THEMENERWERBS- MINDERUNGSTRESS, ZEITDRUCK, EINSEITIGE BELASTUNGEN: ARBEIT MACHT IMMER HÄUFIGER KRANK
Stress, Zeitdruck, einseitige Belastungen: Arbeit macht immer häufiger krank

In den letzten Jahrzehnten haben wir gewaltige medizinische Fortschritte erreicht. Gleichzeitig sind viele Arbeitsprozesse, die mit körperlichen Schwerstbelastungen verbunden waren, vom Menschen auf die Maschine übergegangen. Wer aber glaubt, die Arbeit sei dadurch „gesünder“ geworden, der irrt. Statistiken zeigen ein völlig anderes Bild.

In der zuletzt 2004 durchgeführten Betriebsrätebefragung des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts der Hans-Böckler-Stiftung verweisen 91% der Betriebsräte auf eine deutliche Zunahme psychischer Arbeitsbelastungen. 34% geben zudem an, dass die körperlichen Arbeitsbelastungen aus ihrer Sicht in den vergangenen fünf Jahren zugenommen haben. Die Betriebsräte identifizieren vor allem den wachsenden Termin- und Zeitdruck, das oft schlechte Verhalten der Führungskräfte und die zunehmende Angst vor dem Verlust des Arbeitsplatzes als schwer wiegende Belastungen.

In die gleiche Richtung weisen die Ergebnisse einer Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung. Psychische Belastungen wie Zeitdruck, Arbeitsintensität und Verantwortungsdruck haben demzufolge in den vergangenen Jahrzehnten in nahezu allen Branchen zugenommen.

Nachweislich steigt das Krankheitsrisiko vor allem in den Berufszweigen, die einer Vielzahl gesundheitlicher Gefährdungen unterliegen. Dies betrifft psychische Belastungen wie Stress, Zeitdruck, Isolation oder Monotonie, einseitig belastende Tätigkeiten wie etwa langes Sitzen vor dem Computer oder langes Stehen, Belastungen durch die Arbeitsumgebung wie Hitze, Lärm, Stäube und Dämpfe oder auch häufige Schicht- und Nachtarbeit.

Bergleute, Bauarbeiter, Krankenschwestern, Altenpflegerinnen, Raumpflegerinnen, Bürokräfte, Schichtarbeiter – die Liste ließe sich beliebig verlängern. All diese Gruppen unterliegen so hohen gesundheitlichen Belastungen am Arbeitsplatz, dass sie zum größten Teil lange vor dem regulären Rentenalter ihre Arbeitsfähigkeit verlieren.

Dies bedeutet: Wir brauchen dringend mehr Prävention sowie einen besseren betrieblichen Arbeits- und Gesundheitsschutz. Leider tun die meisten Arbeitgeber viel zu wenig dafür und laden Folgekosten in Milliardenhöhe bei der Gesetzlichen Kranken- und Rentenversicherung ab. Die Arbeitgeber sollten nicht permanent nach einer Senkung der Sozialabgaben rufen, sondern selbst dafür sorgen, dass die Sozialversicherungen nicht unnötig belastet werden. Für viele Beschäftigte bedeutet diese Untätigkeit aber, dass sie krank werden und nicht mehr arbeiten können. Gerade deshalb brauchen wir eine ausreichende, verlässliche Absicherung im Fall der Erwerbsminderung.