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WEITERE THEMENHARTZ IVLANGZEITARBEITSLOSIGKEIT: SOZIALER SPRENGSTOFF FÜR UNSERE GESELLSCHAFT
Langzeitarbeitslosigkeit: Sozialer Sprengstoff für unsere Gesellschaft

Die Bundesregierung verkündet seit einigen Jahren in schöner Regelmäßigkeit sinkende Arbeitslosenzahlen. Aber diese „Erfolgsmeldungen“ sind mit Vorsicht zu genießen. Denn abgesehen davon, dass sie zum größten Teil auf die Ausweitung des Niedriglohnsektors und die Schaffung ungesicherter Beschäftigungsverhältnisse zurückgehen, ist gerade die schwer wiegendste Form der Arbeitslosigkeit keineswegs rückläufig: die Langzeitarbeitslosigkeit.

Dazu zählen Menschen, die bereits seit einem Jahr oder länger ohne Beschäftigung sind. Ihre Zahl hat sich in Deutschland zwischen 1992 und 2008 von knapp 750.000 auf knapp 950.000 erhöht; ihr Anteil an allen Arbeitslosen ist im gleichen Zeitraum von 25% auf 33% gestiegen. Die Zahl derjenigen, die bereits seit über zwei Jahren arbeitslos sind, ist zwischen 1992 und 2008 sogar von 290.000 auf 537.000, also fast das Doppelte, angewachsen. Und angesichts der zu erwartenden Rezession im Gefolge der Finanzmarktkrise ist sicher keine Besserung in Sicht.

Von den 27 Ländern der EU weisen übrigens nur drei eine höhere Langzeitarbeitslosigkeit auf als Deutschland: die Slowakei, Kroatien und Polen. So viel zu den „Erfolgsmeldungen“ vom Arbeitsmarkt.

Was bedeutet das nun für die Betroffenen? Langzeitarbeitslosen fehlt es an ausreichendem Einkommen, mit dem sie ihre Existenz absichern können. Neben der Verarmung treten häufig seelische und gesundheitliche Probleme auf, soziale Ausgrenzung und Stigmatisierung sind die Folge. Oft werden die Betroffenen in ungesicherte und völlig aussichtslose Ein-Euro-Jobs abgedrängt. Die Perspektive fehlt – und dieses Risiko weitet sich inzwischen weit in die Mitte der Gesellschaft aus.

Hier liegt erheblicher sozialer Sprengstoff. Immer größere Teile unserer Gesellschaft werden ausgegrenzt. Ältere Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer bilden in dieser Hinsicht eine besondere Risikogruppe. Sie stellen nur ein Fünftel der Erwerbsbevölkerung, aber mehr als ein Drittel der Langzeitarbeitslosen. Hier herrscht Hoffnungslosigkeit. Immer mehr Menschen droht so im Alter Armut.