DGB
AKTUELLESInterview mit Jürgen Urban
Rente mit 67 stoppen, nicht Beiträge senken!

Ein Interview mit Hans-Jürgen Urban, geschäftsführendes Vorstandsmitglied der IG Metall, zur DGB-Aktion "6 oder 67?"

25.10.2011

 

Frage:

»Der DGB startete am 24. Oktober seine Umfrage "6 oder 67?".  Die Aktion steht für "Streichung der Rente mit 67 statt Senkung der Rentenbeiträge. Ist für die IG Metall nicht der flexible Ausstieg der zentrale Punkt in der Alterssicherungspolitik?«

 

Urban:

»Richtig ist, dass wir in den nächsten Jahren noch stärker als bisher auf flexible Ausstiegsmöglichkeiten drängen werden. Dies erfordert sowohl betriebliche Lösungen als auch entsprechende gesetzliche Regelungen. Unsere Forderungen zum flexiblen Ausstieg sind aber kein Widerspruch zur Ablehnung der Anhebung der Regelaltersgrenzen. Im Gegenteil. Der Gewerkschaftstag der IG Metall hat dies nochmals bekräftigt.«

  
Frage:

»In der Bundesregierung wird diskutiert, die Rentenbeiträge zu senken. Was ist davon zu halten?«

 

Urban:

»Die Rentenbeiträge  zu  senken, geht solange in die falsche Richtung, solange das vorhandene Rentneniveau nicht deutlich angehoben wird, flexible Ausstiege erleichtert werden und Altersarmut vermieden wird

  

Frage:

»Die Bundesregierung hält zwar an der Rente mit 67 fest, hat aber andere Vorschläge zur Bekämpfung der Altersarmut gemacht .«

 

Urban:

»Die Bundesregierung schlägt im wesentlichen vor, niedrige Alterseinkommen auf 850 Euro im Monat aufzustocken. Sie bindet dies daran, dass die Betroffenen lange Versicherungszeiten haben und zusätzlich privat vorgesorgt haben müssen. Der Personenkreis, der diese Voraussetzungen erfüllt, ist aber im Regelfall genau nicht von Altersarmut betroffen.  Die Anhebung der Regelaltersgrenze, die schrittweise ab 2012 wirksam wird,  wird bei vielen zu zusätzlichen versicherungstechnischen Abschlägen  führen. In Kombination mit den Veränderungen in der Rentenformel und der Ausweitung prekärer Beschäftigung heißt dies "mehr Altersarmut". Darum unterstützen wir die DGB-Aktion.«

 

Frage:

»Könnten die Beschäftigten nicht mit den durch eine Beitragssatzsenkung erhöhten Nettoeinkommen zusätzlich vorsorgen und so die zusätzlichen versicherungstechnischen Abschläge der Rente mit 67 kompensieren?«

 

Urban:

»Nein.  Der Durchschnittsverdiener würde durch eine Senkung des Rentenversicherungsbeitrages um einen halben Beitragssatzpunkt nur rund 6 Euro im Monat einsparen. Damit können weder die rentennahen, noch die jüngeren Jahrgänge die durch die Anhebung der Regelaltersgrenze entstehenden zusätzlichen Abschläge ausgleichen. Lediglich die Arbeitgeber  würden sich freuen. Sie sparen Beiträge  und müssen nichts kompensieren. Andererseits bringt die Rente mit 67 nach Regierungsangaben genau diesen halben Prozentpunkt.   

Man könnte also auf die Beitragssatzsenkung verzichten und stattdessen die Anhebung der Regelaltersgrenze rückgängig machen. Darum bitte ich alle Beschäftigten: Beteiligt Euch an der DGB-Umfrage und macht deutlich, dass Ihr Euch die Ablehnung der Rente mit 67 nicht abkaufen lasst! Leitet diese E-Mail weiter, damit möglichst viele andere Kolleginnen und Kollegen die DGB-Aktion unterstützen können.